⚓ Traditionelles Holzboot Österreichs

Zille Boot:
Holzboot der Donau & Österreichs Seen

Die Zille ist das älteste und traditionsreichste Wasserfahrzeug Österreichs. Seit dem 12. Jahrhundert auf Donau, Traun, Salzach und österreichischen Seen beheimatet – als Transportmittel für Wein, Salz und Holz und heute als lebendiges Kulturgut. Immaterielles Kulturerbe Österreichs.

Seit dem 12. Jahrhundert 4–12 m lang Flachbodenboot Holzbau aus Lärche & Fichte
12. Jh.
Erstmals urkundlich belegt
4–12 m
Standardlänge heute
6+
Regionale Typen in AT
UNESCO
Immaterielles Kulturerbe Österreichs

Was ist eine Zille? – Geschichte & Bedeutung

Die Zille (auch: Zilien, Zillen) ist ein traditionelles Flachbodenboot aus Holz, das seit dem Mittelalter auf der Donau und ihren Nebenflüssen sowie auf österreichischen Seen genutzt wird. Der Name leitet sich vom althochdeutschen „cilla" ab und bezeichnet eine flache, einfach gebaute Ruderbarke.

Das Boot zeichnet sich durch seinen flachen Kiel aus Eichenholz, gerade Seitenwände und einen geringen Tiefgang aus – ideal für die flachen Uferzonen der Donau und die ruhigen Buchten der Alpenseen. Früher aus Weichholz (Lärche, Fichte) von Hand gebaut, mit Werg und Teer kalfatert, werden moderne Touristenzillen oft aus Holz-Verbundwerkstoffen gefertigt und mit einem Elektromotor ausgestattet.

Im Mittelalter war die Zille das wichtigste Transportmittel auf der Donau: Wein aus der Wachau, Salz aus dem Salzkammergut, Holz aus den Alpenregionen und Getreide aus der Pannonischen Tiefebene wurden auf Zillen transportiert. Zillenführer galten als ein privilegierter Stand – sie kannten die Strömungen, Untiefen und Winde der Donau wie kein anderer.

Heute ist die Zille vor allem als touristisches Erlebnis bekannt – insbesondere die Zillenfahrten in der Wachau –, aber auch als aktiv gepflegtes Handwerk: Bootsbauer in Engelhartszell (Oberösterreich) fertigen traditionelle Zillen nach jahrhundertealten Methoden.

Kulturerbe: Die Zillenfahrt in der Wachau ist Teil des immateriellen Kulturerbes Österreichs und eng mit dem UNESCO-Welterbe Wachau verbunden. Die Tradition der Zille lebt durch engagierte Bootsbauer, Schifffahrtsvereine und Tourismusanbieter weiter.

Steckbrief Zille

4–12 m
Länge (historisch bis 30 m)
1,8–2,5 m
Breite (typische Touristenzille)
Flach
Flachkiel aus Eichenholz, geringer Tiefgang
Lärche
Hauptmaterial: Lärche & Fichte (Weichholz)
12. Jh.
Erstmals urkundlich belegt in Österreich
600 kg
Tragkraft Feuerwehr-Zille (7 m Typ)
Regionale Vielfalt

Typen der Zille in Österreich

Je nach Region und Verwendungszweck entwickelten sich in Österreich verschiedene Zillentypen – von der Donau bis in den Alpenraum.

Donau · Wachau

Wachauer Zille

Die bekannteste Touristenzille Österreichs. 8–12 m lang, 1,8–2,5 m breit, aus Holz-Verbund gefertigt. Wird heute mit Elektromotor oder Rudern bewegt. Ideal für Gruppenfahrten auf der Donau durch das Welterbe Wachau.

Salzkammergut · Traunsee

Gmundner Zwölfer Trauner

Historischer Zillentyp für den Salztransport auf dem Traunsee und der Traun. Benannt nach der Stadt Gmunden und dem „Zwölfer" (12 Fass Salz). Teil der Salzkammergut-Schifffahrtsgeschichte seit dem Mittelalter.

Feuerwehr & Rettung

Feuerwehr-Zille

Standardisierter Typ für Feuerwehr, THW und Wasserrettung: 7 m lang, 0,9–1,2 m breit, Tragkraft bis 600 kg. Flachboden ermöglicht Einsatz in Überschwemmungsgebieten und flachen Gewässern. Österreichweit im Einsatz.

Donau · Transport

Schugge & Stockzille

Die Schugge hat breite, stumpfe Enden – ideal für Fährbetrieb. Die Stockzille besitzt einen stammartigen Vordersteven. Beide Typen wurden für Transport und Fährdienste auf der Donau eingesetzt und sind in Oberösterreich noch bekannt.

Donau · Geschichte

Ulmer Schachtel

Historischer Zillentyp, der ab dem frühen 19. Jahrhundert deutschen Auswanderern für die Reise die Donau hinab Richtung Schwarzes Meer diente. Nach der Ankunft wurde das Boot verkauft und das Holz anderweitig verwendet – eine Einwegzille.

Seen & Flüsse

Fischerszille & Plätte

Kleine, wendige Zillen für Angeln und Fischerei. Die Plätte hat ein breites Heck (Spiegelheck) und ist auf Seen wie dem Fuschlsee, Hallstätter See und Neusiedler See beheimatet. Wird bis heute von Fischern und Freizeitsportlern genutzt.

Handwerk

Bau & Konstruktion einer Zille

Der Zillenbau ist ein jahrhundertealtes Handwerk, das in Oberösterreich bis heute gepflegt wird – vor allem rund um Engelhartszell an der Donau.

1

Holzauswahl & Trocknung

Traditionell werden Lärche und Fichte verwendet – sie sind leicht, elastisch und wasserfest. Das Holz muss mehrere Monate trocknen, bevor es verarbeitet wird.

2

Kiel & Bodenplanken

Der flache Kiel aus Eichenholz bildet das Rückgrat. Darauf werden die Bodenplanken verlegt – flach und gerade, charakteristisch für das Flachbodendesign der Zille.

3

Seitenplanken & Stevens

Die geraden Seitenwände werden montiert. Bug und Heck werden je nach Typ mit einem spitzen Steven (Stockzille) oder einem breiten Spiegel (Plätte/Schugge) abgeschlossen.

4

Kalfatern & Abdichten

Traditionell werden die Fugen mit Werg (Hanf- oder Flachsfasern) und Teer abgedichtet – ein Prozess, der „Kalfatern" heißt. Moderne Zillen verwenden wasserfeste Kunstharze.

5

Ölen, Lackieren & Fertigstellung

Das fertige Boot wird mit Leinöl oder Holzschutzlack behandelt. Traditionelle Zillen werden mit Naturfarben gestrichen. Eine handgebaute Touristenzille nimmt mehrere Wochen Arbeit in Anspruch.

Baumaterialien

Lärche: Hauptholz für Planken und Boden – zäh, harzreich, wasserfest
Fichte: Leichter, flexibel, für Rippen und Spanten
Eiche: Kiel und tragende Elemente – extra hart und dauerhaft
Werg & Teer: Traditionelles Dichtungsmaterial (Kalfaterung)
Holz-Verbund: Moderne Touristenzillen – wartungsarm, langlebig
Zillenbau heute: In Engelhartszell an der Donau (Oberösterreich) haben sich zwei Familienbetriebe über Jahrhunderte auf den traditionellen Zillenbau spezialisiert. Sie fertigen Zillen in Standardgrößen von 4–12 m für Fischer, Feuerwehr und Touristikanbieter.
Österreichweit

Wo kann man eine Zille fahren?

Von der Donau bis in die Alpenregion – hier können Sie eine Zille erleben, mieten oder kaufen.

Wachau – Donau

Niederösterreich

  • Spitz, Dürnstein, Weißenkirchen, Krems
  • Ab €18 / Person (1 Std.)
  • Gruppen- und Privatfahrten buchbar
  • Weinzillenfahrten mit Verkostung
  • April bis Oktober

Hallstätter See

Salzkammergut, OÖ

  • Hallstatt, Obertraun
  • Traditioneller Salztransport per Zille
  • Touristenzillen am Hallstätter See mietbar
  • UNESCO-Welterbe Hallstatt-Dachstein
  • Anbieter vor Ort anfragen

Fuschlsee

Salzburg

  • Fuschl am See, Salzburg
  • Traditionell für Fischerei genutzt
  • Kleine Zillen und Ruderboote mietbar
  • Naturschutzgebiet, motorfreier See
  • Saison: Mai bis Oktober

Neusiedler See

Burgenland

  • Rust, Neusiedl, Podersdorf
  • Flacher See (Ø 1 m) ideal für Zillen
  • Bootsverleih an mehreren Orten
  • Vogelschutzgebiet im Röhrichtgürtel
  • UNESCO-Welterbe Neusiedler See

Traunsee & Gmunden

Salzkammergut, OÖ

  • Gmunden, Traunkirchen
  • Heimat des Gmundner Zwölfer Trauner
  • Bootsverleih am Traunsee verfügbar
  • Linienschifffahrt mit Traunseeschifffahrt
  • Schloss Ort als Wahrzeichen

Engelhartszell

Zillenbau, OÖ

  • Engelhartszell an der Donau, OÖ
  • Zentrum des traditionellen Zillenbaus
  • Zillen kaufen bei Familienbetrieben
  • Standardgrößen 4–12 m erhältlich
  • Direktkauf beim Bootsbauer möglich
Zille kaufen & mieten

Zille kaufen, mieten & bauen

Ob für Freizeitausflüge, Fischerei oder als Tourismusangebot – hier finden Sie Infos zu Erwerb und Miete einer Zille in Österreich.

Zille kaufen

Traditionelle Zillen werden von Bootsbauern in Engelhartszell (OÖ) gefertigt. Standardgrößen 4–12 m, Preise je nach Größe und Ausstattung. Anfragen direkt beim Bootsbauer. Gebrauchte Zillen finden sich regional über Anglervereine und Bootsclubs.

Zille mieten

Zillen können an vielen österreichischen Seen und an der Donau stundenweise gemietet werden. In der Wachau ab ca. €18/Person für geführte Zillenfahrten. Am Hallstätter See, Fuschlsee und Neusiedler See gibt es Bootsverleih-Stationen, die auch Zillen anbieten.

Zille bauen

Workshops zum Zillenbau werden vereinzelt von Schiffbau-Traditionsvereinen und Volkshochschulen in Oberösterreich und Niederösterreich angeboten. Das Erlernen der traditionellen Bautechnik dauert mehrere Tage. Materialien: Lärche, Fichte, Eiche – alles regional verfügbar.

Tipp: Für eine geführte Zillenfahrt in der Wachau empfiehlt sich eine Vorabreservierung, besonders in den Sommermonaten Juli und August. Die beliebtesten Anbieter in Spitz an der Donau und Dürnstein sind schnell ausgebucht.

Karte: Zille-Standorte in Österreich

Von der Donau bis ins Salzkammergut – die wichtigsten Orte für Zille-Erlebnisse in Österreich.

Zillenfahrt / Mieten
Zillenbau
Seen mit Zillen
Häufige Fragen

FAQ – Zille Boot

Alles Wissenswerte über das traditionelle österreichische Holzboot.

Eine Zille ist ein traditionelles Flachbodenboot aus Holz, das seit dem 12. Jahrhundert auf der Donau und österreichischen Seen genutzt wird. Es zeichnet sich durch seinen flachen Kiel, gerade Seitenwände und geringen Tiefgang aus. Zillen wurden ursprünglich für den Transport von Wein, Salz und Holz verwendet und sind heute Teil des immateriellen Kulturerbes Österreichs.
Moderne Touristenzillen sind typischerweise 8–12 m lang und 1,8–2,5 m breit. Historisch gab es auch sehr große Transportzillen bis zu 30 m Länge. Kleinere Fischerszillen (Plätten) sind oft nur 4–6 m lang. Feuerwehrzillen haben einen Standardmaß von 7 m Länge und 0,9–1,2 m Breite mit einer Tragkraft von bis zu 600 kg.
Traditionelle Zillen werden aus Weichholz gebaut: hauptsächlich Lärche und Fichte für Planken und Boden. Der Kiel und tragende Elemente werden aus Eichenholz gefertigt, das besonders hart und widerstandsfähig ist. Die Fugen werden traditionell mit Werg (Hanffasern) und Teer abgedichtet (kalfatert). Moderne Touristenzillen verwenden Holz-Verbundwerkstoffe.
Die bekanntesten Standorte sind: die Wachau (Spitz, Dürnstein, Krems) für geführte Zillenfahrten ab ca. €18/Person; Hallstätter See für traditionelle Bootstouren; Fuschlsee für ruhige Ruderausflüge; Neusiedler See für flachbodenige Bootstouren im Röhricht; und der Traunsee im Salzkammergut. An allen diesen Orten gibt es Bootsverleih oder organisierte Touren.
Geführte Zillenfahrten in der Wachau kosten je nach Dauer und Anbieter zwischen €18 (1-Stunden-Tour) und €65 (Ganztages-Tour, 6–8 Stunden). Weinzillenfahrten mit Verkostung liegen bei ca. €35/Person (3 Stunden inkl. 4 Wachauer Weine). Privatcharter für Gruppen ab €120. Preise können je nach Anbieter variieren.
Kleine Zillen werden traditionell mit Stechrudern (Gabeln) gestakt oder gerudert. Größere Zillen hatten früher Bug- und Heckruder sowie wurden von Pferden am Ufer gezogen. Moderne Touristenzillen in der Wachau sind oft mit einem leisen Elektromotor ausgestattet. Der Elektromotor erlaubt ruhige, umweltfreundliche Fahrten auf der Donau.
Das Zentrum des traditionellen Zillenbaus in Österreich ist Engelhartszell an der Donau in Oberösterreich. Dort haben sich zwei Familienbetriebe über Jahrhunderte auf den Zillenbau spezialisiert. Sie fertigen Zillen in Standardgrößen von 4–12 m – für Fischer, Feuerwehren, Wasserrettung und Tourismusanbieter.
Beide sind Flachbodenboote, aber die Zille ist typischerweise länglicher und schmaler als ein Kahn. Die Zille hat meist einen spitzen Bug (Vordersteven), während Kähne oft breiter und gedrungener sind. In Österreich ist die Bezeichnung „Zille" regional gebräuchlich; in anderen Regionen Deutschlands und der Schweiz werden ähnliche Boote als Kahn, Plätte oder Punt bezeichnet.
Ja. Neue Zillen werden von Bootsbauern in Engelhartszell (OÖ) in Standardgrößen von 4–12 m gefertigt. Der Preis hängt von Größe und Ausstattung ab. Gebrauchte Zillen sind regional über Anglervereine, Bootsclubs und Kleinanzeigen in Österreich zu finden. Für private Nutzung auf Seen und Flüssen ist eine Zille eine wartungsarme Alternative zu modernen Motorbooten.
Die Zillenfahrttradition in der Wachau wurde als immaterielles Kulturerbe Österreichs anerkannt. Sie umfasst die traditionelle Fertigung von Zillen, die Navigationstechniken auf der Donau und die Bedeutung der Zille für den Wein- und Salztransport im Mittelalter. Die UNESCO-Schutzzone Wachau bewahrt auch dieses kulturelle Erbe der Schifffahrt.
Ja. Der Hallstätter See im UNESCO-Welterbe Hallstatt-Dachstein hat eine lange Zillentradition – historisch wurde Salz aus den Bergwerken per Zille transportiert. Heute gibt es Bootsverleih-Stationen in Hallstatt und Obertraun, die auch traditionelle Boote vermieten. Das ruhige Gewässer des Hallstätter Sees ist ideal für entspannte Zillen- und Ruderausflüge.
Ja, Zillen sind aufgrund ihres flachen Bodens und ihrer Stabilität sehr geeignet für Familien mit Kindern. Das ruhige Gleiten über das Wasser macht Zillenfahrten zu einem entspannten Erlebnis. Kinder unter 6 Jahren sind bei geführten Zillenfahrten in der Wachau in der Regel kostenlos. Rettungswesten werden von den Anbietern gestellt und sind Pflicht für Kinder.

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